Mobiler Reitunterricht

Fein zu reiten und pferdegerecht mit dem uns anvertrauten Tier zu kommunizieren, setzen sich Reiter aller Reitweisen zum Ziel. Daher erfolgt mein Unterricht nach dem Vorbild der École de Légèreté (Schule der Leichtigkeit), die der französische Reitmeister Philippe Karl ins Leben gerufen hat.

Ich weise jedoch ausdrücklich darauf hin, dass ich noch keine offizielle EDL-Lizenzierung habe. Seit April 2019 liegt meine Bewerbung für die Ausbildung zur lizenzierten Reitlehrerin bei Master Teacher Sabine Mosen vor. Bereits seit 2016 nehme ich regelmäßig an EDL Kursen teil, die von lizenzierten Reitlehrern der EDL oder den Master Teachern erteilt werden.

Meiner Meinung nach ist die Lehre reitweisenunabhängig und für Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet.

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Als Gastreiterin beim Ausbilderlehrgang mit Philippe Karl im August 2017

Was kompliziert ist, ist unwichtig; was wichtig ist, ist niemals kompliziert.“ – Volksmund (aus Philippe Karl: Irrwege der modernen Dressur – Suche nach einer klassischen Alternative)

Vorrangig geht es mir im Unterricht um die anatomisch korrekte Gymnastizierung des Pferdes unter Berücksichtigung seiner individuellen Bedürfnisse, sowie die Korrektur von Sitz und Einwirkung des Reiters.

Ziel ist es, dass Reiter und Pferd zu einer Einheit verschmelzen und sich im harmonischen Miteinander kontinuierlich weiterentwickeln können.

Dazu zählt vor allem die Schule der Hilfen, denn das Pferdemaul ist das empfindlichste Organ des Pferdes und steht beim Reiten im direkten Kontakt mit dem Reiter. Für eine feine Kommunikation ist es somit unerlässlich, die bestmögliche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul zu erarbeiten. Ein schlackernder Zügel stört das Pferd ebenso stark wie eine zu feste Hand. Jede Störung dieser feinen Verbindung verursacht Blockaden des Kiefers und der Zunge, was darin resultiert, dass das Pferd das Maul festhält und die Kautätigkeit einstellt, die sonst als natürliche Unterwürfigkeitshandlung bereits im Fohlenalter zu beobachten ist. Zunächst geht es also darum, dass das Pferd leicht an der Hand wird, sprich: sich selber trägt und jederzeit willig im Maul nachgibt.

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Abkau- und Biegeübung beim Ausbilderkurs von Sabine Mosen im April 2019

Gleiches gilt analog auch für die Schenkelhilfen. Dauertreiben macht ein harmonisches Einwirken des Reiters unmöglich und lässt das Pferd kontinuierlich stumpfer auf den Schenkel reagieren. Das Pferd muss daher die Bedeutung des Schenkels unter Umständen neu lernen. Der Reiter kann dem Pferd mithilfe gezielter Gertenimpulse verständlich machen, dass es selbst dafür zuständig ist, das gewünschte Tempo zu halten. Erst dann ist es möglich, einen ausbalancierten und unabhängigen Sitz zu erarbeiten, der die Grundlage jeder feinen Kommunikation zwischen Reiter und Pferd bildet.

Grundsätzlich gilt hier entgegen der gängigen FN-Richtlinien: Hand ohne Bein, Bein ohne Hand. Nur so kann dem Pferd schlüssig vermittelt werden, was es zu tun hat. Auch mit der Ausbildungsskala der FN, die für gewöhnlich den Ausbildungsweg eines Pferdes vorgibt ( Takt > Losgelassenheit > Anlehnung > Schwung > Geraderichtung > Versammlung ) bricht die Lehre von Philippe Karl. Denn diese sechs Stufen können nie für sich allein stehen, alle Faktoren hängen gewissermaßen voneinander ab.

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Skala der Ausbildung nach der École de Légèreté

So wird die Anlehnung zunächst durch die Erarbeitung einer korrekten Dehnungshaltung erreicht, welche dem Pferd das Aufwölben des Rückens ermöglicht. Die Dehnung der Oberlinie ist unerlässlich für die freie Beweglichkeit der Rücken-Nieren-Partie des Pferdes und damit ein entscheidender Faktor der Vorwärtsbewegung sowie der prinzipiellen Fähigkeit des Pferdes, überhaupt einen Reiter auf seinem Rücken (Bewegungsmuskel!) tragen zu können. Erst in letzter Instanz führt dieser Prozess schließlich zur Beizäumung (“ sog. Runden“) in hoher Aufrichtung mit einer ruhigen Kopfhaltung. Die oft erzwungene Beizäumung nach konventionellen Methoden führt hingegen in den meisten Fällen zu Schmerzen oder Verspannungen und ist ohnehin völlig entgegen der Natur des Pferdes.

Die freiwillige Mitarbeit des Pferdes bringt mehr Annehmlichkeiten mit sich, als alle Mittel, mit denen man es zu zwingen sucht.“ – Salomon de la Broue

Die klassische FN-Lehre bietet zumeist keine eindeutigen Lösungsvorschläge, wenn Probleme auftreten. Dadurch finden eng verschnallte Reithalfter, Sperrriemen und Hilfszügel viel zu früh Verwendung, ebenso wie immer schärfere Gebisse, Sporen usw. Die reiterlichen Hilfen werden folglich gröber, der Fehler wird oftmals nur dem Pferd zugeschrieben. Ein ewiger Teufelskreis beginnt.

Die weit verbreitete Ansicht, dass nur Pferde mit den entsprechend guten Grundgangarten und der damit verbundenen Schwungentfaltung zur Versammlung und Geraderichtung kommen können, teilt die Reitlehre von Philippe Karl keineswegs.

Man kann mit nahezu jedem Pferd durch korrekte Gymnastizierung (vor allem in den Seitengängen) einen Ausgleich seiner natürlichen Schiefe erarbeiten und sich somit die Möglichkeit erschließen, auch höhere versammelnde Lektionen erlernen zu können.

Dies ist allerdings ein sehr langer Weg, der sich für gewöhnlich über viele Jahre hinweg erstrecken wird. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen 😉