Horsemanship

In den letzten Jahrzehnten hat sich auch in Deutschland eine aus den USA stammende Trainingsform namens Natural Horsemanship etabliert, welche uns Menschen den respektvollen und fairen Umgang mit dem Pferd lehrt.

Durch die Beobachtung des Herdenverhaltens der Tiere und die Adaption dieser „Pferdesprache“ auf menschliche Mimik und Gestik lässt sich eine Kommunikationsbasis erarbeiten, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruht.

Grundsätzlich ist die Perspektive des Pferdes als Fluchttier immer überlebensorientiert.

Vier Grundbedürfnisse lassen sich in folgender Reihenfolge beobachten:

  1. Sicherheit  (Augen seitlich für möglichst viel Rundblick, Herde bietet Schutz)
  2. Komfort  (Selbstbestimmtes Handeln, Ruhe, Entspannung)
  3. Spiel  (sozialer Kontakt zu Artgenossen, Klärung der Rangfolge)
  4. Futter (variiert in der Wertigkeit mit Spiel je nach Pferde-Typ und Angebot)

Der Mensch verhält sich aus Pferdesicht wie ein Raubtier, denn er hat die Augen vorne für eine gute Fokussierung, Arme, Hände und Finger dienen dem Angriff.

Daher sollten wir uns zunächst folgende Fragen stellen, um herauszufinden, wie wir unser Pferd behandeln.

Fluchttier
  • Verängstige ich mein Pferd? Bestrafe ich es, wenn es scheut?
  • Halte ich es fester, werde ich laut oder ziehe am Strick, wenn es sich „nicht benimmt“?
  • Verwechsle ich Unsicherheit mit Ungehorsam?
Gefangener
  • Muss ich es einengen, um es einfangen zu können?
  • Binde ich es an, um es zu putzen, satteln, etc.?
  • Erwarte ich, dass es immer tut, was ich sage?
  • Werde ich stärker und härter, wenn es sich widersetzt?
  • Werde ich ungeduldig und denke, dass der Fehler beim Pferd liegt?
Partner
  • Versuche ich, den Standpunkt meines Pferdes zu verstehen?
  • Offeriere ich dem Pferd eine Idee, erlaube ihm aber zu entscheiden, es zu tun?
  • Nehme ich mir die Zeit, die es braucht?

Je nachdem, in welchem Bereich nun die meisten Fragen mit JA beantwortet wurden, liegt der momentane Schwerpunkt unserer Kommunikation mit dem uns anvertrauten Tier.

Generell verstehe ich unter Horsemanship nicht, sich raubtierhaft als ranghöheres Tier zu behaupten, wie es beispielsweise beim Join Up von Monty Roberts der Fall ist. Es geht vielmehr darum dem Pferd Sicherheit in einem partnerschaftlichen Verhältnis sowie größtmöglichen Komfort zu bieten und sich damit als „sanfter Führer“ zu etablieren, wie es Mark Rashid bezeichnet hat.

Herbst 2018 auf Pedro im Galopp, nur mit Knotenhalfter

Dies geht nur auf der Basis von Respekt und Vertrauen, denn Pferde sind natürliche „Folger“ und suchen natürliche Anführer. Wir müssen also zu jenem Typ Menschen werden, bei dem sich Pferde gerne aufhalten und dem sie gerne folgen. Hierzu ist es besonders wichtig, dass man sich dem Pferd gegenüber stets eindeutig, konstant und fair verhält.

Pferde drohen sich untereinander in mehreren Phasen. Kommt auf die erste Drohgebärde (zb. Ohren anlegen) keine Reaktion, folgt eine konsequente Handlung. Diese ist so stark, dass sie wirkt, aber kein bisschen darüber. Als Folgehandlung auf Ohren anlegen käme im Herdenverhalten beispielsweise Schweif schlagen, dann erst eine Bewegung in Richtung des anderen Pferdes, gefolgt von beißen oder treten.

Um für unsere Pferde ähnlich logisch zu werden, müssen wir in allem, was wir tun diese vier Phasen einhalten. Egal ob das Pferd auf dem Spaziergang frisst, ob es gegen den Schenkel drückt oder am Putzplatz nicht stillsteht. Dadurch arbeitet man automatisch nach dem Prinzip „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“ wie es unter anderem auch Pat Parelli lehrt. Die Seven Games können zwar dabei helfen, sich der eigenen Körperspreche und Energie bewusster zu werden, auf die das Pferd reagiert. Horsemanship im eigentlichen Sinne istfür mich jedoch weitaus mehr als das.